Lao Cai / Cao Son

Der Nachtzug von Hanoi nach Lao Cai operiert nach Deutscher Pünktlichkeit. Ganz im Gegensatz zur Deutschen Bahn! Wir nehmen Quatier in einem 4 Bett-Abteil zusammen mit einer Französin und einem Schweizer. Die beiden reisen nach Sa Pa, so wie der gesamte restliche Zug. Nur wir haben ein anderes Ziel: Cao Son!

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Nach einem kurzen Austausch über die bisherige Reise, sowie aufrichtiger Neidbekundung, dass unsere Mitreisenden sechs Wochen Urlaub haben, geht bei uns das Licht um 21:30h aus. Die Betten sind hart aber bequem, doch der Schlaf zu kurz und wenig erholsam. Um 5:30h kommen wir pünktlich in Lao Cai an. Wie versprochen steht unser Guide am Bahnhof und führt uns erstmal zum Frühstück in einen kleinen Laden gegenüber. Es gibt Vietnamesischen Kaffee mit süßer Kondensmilch, dazu Rührei und ein Baguettebrötchen.

Von dem Kaffee hätte es ruhig etwas mehr sein können. Unsere Augen haben sich der lokalen Bevölkerung angepasst! Als es langsam hell wird, werfen wir die großen Rucksäcke in einen Transit und holen dafür die Mountain Bikes raus. In den frühen Morgenstunden können wir dann endlich einen Geschmack der Vietnamesischen Verkehrskunst bekommen. „Be careful!“ ruft mir unser Guide zu, doch ich bin schon längst links abgebogen Richtung Chinesischer Grenze.

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Wir fahren weiter entlang dem Grünen Fluß, der China und Vietnam trennt, bis ein Erdrutsch den Weg in den Fluß gespült hat. Da hilft nur umdrehen und über die Hauptstraße weiter.

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Der Verkehr ist mäßig, man hält ordentlich Abstand beim Überholen und kündigt sich generell mit gehupe an. Wer besonders freundlich ist hupt auch zum Dank, wenn er überholen durfte!

Bis Cao Son sind es 90km. Wir schaffen aber nur 35! Die Landschaft ist bergig und 10% Steigung sind keine Seltenheit. Die dicken LKW schaffen es kaum uns bergauf zu überholen, auch wenn wir bereits am Keuchen sind. Unser Guide ist uns schon lange davon gefahren. In einem kleinen Dorf erwischen wir ihn in einer Kneipe beim Wasserpfeife rauchen und Tee trinken. Für eine kurze Pause gesellen wir uns dazu.

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Es geht an wundervollen Reisterassen vorbei, über eindrucksvolle Berglandschaften, die mit dichtem Dschungel bewachsen sind und durch kleine Dörfer, die allerlei Stände an der Straße aufgebaut haben. Wir sehen Bananenstauden, Ananasplantagen, Tabakpflanzen und wie grüner Tee angebaut wird. Die Kinder lachen und winken uns zu und auch die Bauarbeiter am Straßenrand rufen „Hello!“.

An einem Haus halten wir an. Unser Guide will uns was zeigen: „Look, they prepare dog!“. Tatsächlich wird gerade vor der eigenen Haustür ein Hund von der ganzen Familie geschlachtet. Wir kommen gerade richtig um zu sehen, wie ihm die Eingeweide herrausgeschnitten werden. Auf einmal ist das Verlangen nach der nächsten Straßenküche nicht mehr so ausgeprägt bei uns, wie es noch vor einem Moment war. Und wir dachten nur in China essen sie Hunde…

20km weiter gibt es dann Mittagessen in Muong Khuong. Der Hunger hat eine starke Überzeugungskraft und dass Essen ist wieder reichlich und gut. Nach der Mahlzeit fahren wir mit dem Transit weiter nach Cao Son, ein kleines Bergdorf auf ca. 1400m. Hier sind wir die einzigen Touristen! Dass alle Anderen aus dem Zug nach Sa Pa gefahren sind war nicht übertrieben!

Die Unterkunft ist wie alle Häuser in der Gegend aus Holz und Bambus erbaut. Es ist kühl und zum ersten Mal sind wir froh, dass wir auch ein paar längere Sachen, sowie unsere Schlafsäcke dabei haben. Für eineinhalb Stunden legen wir uns auf’s Ohr und schlafen wie Steine.

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Um 15:00h geht es bereits mit einer Wanderung durch das Bergdorf weiter. Hier leben die Völker der Flower Hmong. Die Frauen sind in prächtigen bunten Gewändern gekleidet, die sie selbst liebevoll bestickt haben. Schade dass es mit dem Photo hochladen noch nicht geklappt hat aber sobald wir wieder ordentliches WiFi haben, werde ich die passenden Bilder in den Text einfügen, denn die Einwohner lassen sich gerne photographieren. Das dürfte nicht mehr lange so selbstverständlich sein, dann ist auch hier der breite Tourismus angelangt.

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Während wir vor unserer Lodge sitzen und ich den Bericht tippe, trägt ein Junge ein Huhn samt Federn an den Füßen ins Haus. Noch frischer kann unser Abendessen nicht sein. Und noch glücklicher als die Hühner hier vor Ort kann kaum ein anderes Huhn sein. Wir kriechen in die Schlafsäcke und warten auf das Abendessen. Ohne Sonne wird es recht frisch in den Bergen!

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